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In Trauer (zurück)

Dogan Yurdakul war Journalist. Er kam schon beim Militärputsch am 12. März 1971 für 2 Jahre ins Gefängnis (Mamak), gemeinsam mit Deniz Gezmis (Studentenführer), und teilte mit dem später bekannten Filmemacher Yilmaz Güney eine Zelle.

1968 verließ er Paris, unterbrach sein Jurastudium an der Sorbonne und kam zurück in die Türkei, um sich für die Unabhängigkeit der Türkei einzusetzen. Dogan Yurdakuls Liebe zur Unabhängigkeit und zum Journalismus war nicht zu brechen.

Die Staatsanwaltschaft stellte am 12. September 1980 an die Militärjunta die Forderung nach Hunderten von Jahren Strafe für Yurdakuls Kolumnen. Er floh nach Europa und kam wieder. Er schrieb weiter in „Aydinlik“ und „Evrensel’de“ und vertrat den „32. Tag“ in Ankara. Er war Koordinator für die Zeitungen „Aksam“ und „Siyah-Beyaz“.

Er schrieb unermüdlich seine Bücher: „Çete“, „Reis“, „Bay Pipo“, „Sirlarin Kavsagi“. Er übersetzte mehrere Bücher aus dem Französischen und schrieb ein türkisch- französisches Wörterbuch. Er schrieb gegen die Mafia, gegen hinterlistige politische Pläne, über die Folteropfer der Militärjunta, unerschrocken, unermüdlich.

Bis zur Erdogan - Ära. Bis zu seiner Verhaftung. Man behauptete, er wolle den Staat stürzen.

Er wird sicherlich auch diese Zeit überwinden, aber seine Frau schaffte es nicht mehr. Sie ist gestorben. Sie hatte Krebs.

Dogan Yurdakul schrieb aus dem Gefängnis:

“Meine Frau Güngör Yurdakul ist gestorben!

Sie werden sich an ihren Namen aus dem Brief, den Soner Yalcin aus dem Gefängnis schrieb, erinnern. Sie hatte Krebs. Sie war meine Frau, die Frau des Koordinators für ODA TV, verhaftet wegen Ergenekon, die Frau des verhafteten Dogan Yurdakul.

Sie konnte mich seit mehreren Monaten nicht mehr besuchen. Denn sie konnte sich nicht mehr bewegen. Soner Yalcin bat um Milde, um die Erlaubnis, uns wieder sehen zu können. Ich habe dieser Bitte vehement widersprochen. So viele Jahre hatten wir schon zusammen gelebt, ohne jemals auf die Milde anderer angewiesen zu sein.

Wir haben viel Leid miteinander geteilt.

Als die Polizisten kamen, um mich abzuholen, ahnte ich, dass ich ihren Tod im Gefängnis erfahren würde.

Ich bin Dogan Yurdakul.

So bitte ich Sie zu lesen, was ich schrieb….

Wenn die Hälfte meiner Tränen für Güngör-Dogan Yurdakul ist, ist die andere Hälfte für dieses Regime, das viele Intellektuelle, Journalisten, Schriftsteller ins Leid stürzte.

Ich heiße Dogan.

Das Gericht hat sich endlich erbarmt und mir zwei Tage zugestanden, um am Begräbnis teilzunehmen. Die Erlaubnis, die verweigert wurde, damit ich sie besuchen, mich verabschieden kann, wurde nun für das Begräbnis erteilt, das sie nicht mehr wahrnehmen wird.

Ich bin Dogan Yurdakul

Ich habe meine Frau verloren. Ich wußte, dass sie sterben wird, ich hatte mich verabschiedet. Als die Polizisten mich am Arm packten und meine Frau mich an der Tür hoffnungslos und voller Trauer ansah, hatte ich verstanden, dass ich sie zum letzten Mal sah…

Die Polizisten behandelten mich wie einen Terroristen. Sie warfen unsere Bücher aus den Regalen auf den Boden, die meine Frau liebevoll einzeln eingeordnet hatte. Sie durchwühlten unsere Wohnung, stellten sie auf den Kopf. Ich habe mich dennoch nicht gebeugt, nicht verkauft, für nichts…

Ich blieb gerade wie ein Stift, trotzig wie Tinte …

Der Staatsanwalt hatte es schwer, etwas zu erfinden, um mich zu beschuldigen… Ich bin der Mann, dessen Schuld noch keiner verstanden hat Ich bin Dogan Yurdakul.“